» ... und gib es den Armen«

100 Jahre Seligsprechung Friedrich von Regensburg
Sel. Friedrich

Auf dem Zwischenkapitel unseres Ordens feierten die versammelten Mitbrüder die hundertste Wiederkehr des Jahrestages der Seligsprechung Bruder Friedrichs von Regensburg. Das mag Grund genug sein, an die Legenden, die sich um das Leben des seligen Friedrich ranken, zu erinnern. Der Regensburger Augustiner Hieronymus Streitel, hat sie 1519 verfasst. Friedrich, aus wohlsituierter Familie stammend, habe einen Augustiner predigen gehört über das Wort Christi: »Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen.« Von diesem Wort sei Friedrich so berührt worden, dass er die Welt verließ und Augustiner wurde. Als Bruder habe sich Friedrich sehr der Armen angenommen, habe ihnen die Brotbrocken, die vom Tisch der wohlgenährten Augustiner fielen, gebracht. Als er eines Tages die Überbleibsel aus der Küche unter seinem Skapulier zur Pforte tragen wollte, wo die Hungrigen ihn erwarteten, begegnete ihm der Prior. Der fragte den Bruder, was er denn da verborgen trage. Erschrocken sagte Friedrich: Holzscheite. Der Prior schaute nach und tatsächlich fand er Holzscheite, die sich wieder in Brot verwandelten, als die obrigkeitliche Gefahr vorüber war. Diese Legende weist Parallelen zum Rosenwunder der heiligen Elisabeth auf. Deutlich macht sie in jedem Fall die Feinfühligkeit Friedrichs für die soziale Not in seinem Umfeld.

Originell ist die Episode von dem Weinfass, aus dem Friedrich für die Mitbrüder zapfte. Der Prior rief ihn, und da Friedrich auch das Muster eines gehorsamen Bruders war, folgte er so eilends dem Ruf, dass er vergaß, das Spundloch zu schließen. Die entsetzten Brüder sahen den Zapfen am Gürtel Friedrichs hängen, eilten in den Keller und fanden das volle Fass, aus dem kein Tropfen ausgelaufen war.

Ob es solche Überlieferungen waren, die P. Provinzial Ambros Schubert am 19. März 1911 ermutigten, folgendes Gebet zu verfassen? »Seliger Friedrich, du warst deinen Oberen immer überaus gehorsam, als du auf Erden weiltest. Du wirst diese Tugend des Gehorsams in der himmlischen Herrlichkeit nicht verloren haben. Deshalb, da ich durch göttliche Vorsehung Provinzial dieser bayerischen Provinz bin, zu welcher du auf Erden gehört hast, befehle ich dir, bei Gott Fürsprache zu tun für die Einrichtung dieses Konventes in deiner Vaterstadt.« So lebten denn wieder Augustiner für einige Jahrzehnte in Regensburg. Ob Friedrichs Fürsprache tatsächlich eine Rolle gespielt haben sollte?

P. Michael Wernicke