Neugründung in Buta - Eindrücke von einer Reise

Es ist schon dunkel, als wir nach 8-stündiger Autofahrt über holprige Sandpisten von Kisangani aus endlich Buta erreichen. Zudem hat es die letzten eineinhalb Stunden geregnet, was die Fahrt noch beschwerlicher gemacht hat. Aber wir werden herzlich empfangen vom dortigen Dompfarrer Apollinaire, der uns zu einer kleinen Stärkung ins Bischofshaus einlädt.

Von den Maristen-Brüdern gebaute und heute noch genutzte Schule

Am folgenden Tag sind wir schon um 6 Uhr in der Kathedrale, um den Gottesdienst mit den Menschen, die sich noch im Dunkeln auf den Weg gemacht hatten, mitzufeiern. Was sich am Tag zuvor nur erahnen ließ, offenbart sich dann am hellen Tag, nämlich wie geschichtsträchtig dieser Ort ist. Vor mehr als 100 Jahren waren Prämonstratenser aus Belgien mit Booten den Fluss aufwärts fahrend gekommen, um mitten im Busch aus handgefertigten Ziegelsteinen eine klösterliche Niederlassung und eine gewaltige Kirche, heute Bischofshaus mit Kathedrale, zu bauen. Wenige Jahre später kamen die Maristen, ein auf Schulbildung spezialisierter Brüder-Orden, um mehrere langestreckte Schulgebäude zu errichten. Diese gewaltigen Bauten atmen heute noch den Geist der belgischen Kolonialzeit und legen sichtbar Zeugnis ab von der enormen Pionierleistung der Prämonstratenser und Maristen-Brüder. Heute noch dienen diese Gebäude ihrer ursprünglichen Bestimmung, indem sie für schulische und kirchliche Zwecke genutzt werden.

Buta präsentiert sich uns mit seinen ca. 80.000 Einwohnern als aufstrebende und sehr lebendige Stadt im Norden der Demokratischen Republik Kongo. Es gibt zwar keine Versorgung mit elektrischem Strom, aber es gibt einen florierenden Handel, ein großes Krankenhaus, neue Verwaltungsgebäude für den neu errichteten Regierungsbezirk Bas-Uele, einen Flugplatz, ein breites Spektrum an Schulen und den schon erwähnten Bischofssitz mit den zentralen Einrichtungen des Bistums Buta. Die Stadt scheint trotz der Umstände, dass die Bevölkerung größtenteils arm ist, zu prosperieren und sich im Aufwind zu befinden.

P. Georges im Gespräch mit Vertretern der neuen Pfarrei

Grund unserer Reise ist der Beschluss des Kapitels des Augustiner-Vikariats Kongo, in Buta ein neues Kloster zu gründen und eine Pfarrei mit einer Reihe von Buschkapellen zu übernehmen. Mit offenen Armen werden die Augustiner empfangen, denn das Bistum befindet sich in einer schwierigen Lage: Von 17 Pfarreien sind nur fünf mit einem Priester besetzt. Die letzte Priesterweihe liegt 20 Jahre zurück (wobei sich momentan ein junger Mann auf den Empfang der Diakonenweihe vorbereitet).  Nach der Simba-Rebellion der 1960er Jahre hatte es der Bischof versäumt, wieder ein Priesterseminar zu eröffnen und eine Infrastruktur für die Berufungspastoral aufzubauen, mit den genannten Folgen bis in unsere Zeit. Mit dem Kommen der Augustiner soll nun nicht nur einfach eine Pfarrei übernommen werden, sondern geistliches Leben neu in die Stadt und in das Bistum einziehen. Willkommen sind die Augustiner auch bei der Bevölkerung. Als Vikar P. Georges Mizingi während unseres Aufenthalts an einem Werktag frühmorgens um 6 Uhr in der Pfarrkirche den Gottesdienst feiert, ist die Kirche mit mehr als 350 Menschen gefüllt. Die Menschen sind neugierig auf die Augustiner und freuen sich auf ihr Kommen. Neben der Kirche werden bereits Steine gesammelt für den Neubau des Klosters, das innerhalb der nächsten zwei Jahre fertiggestellt sein soll. Um die neue Niederlassung der Augustiner zu sichern, erteilt der Bezirk Buta den Augustinern die Konzession für ein 100 ha großes Gelände, das nach und nach für landwirtschaftlichen Anbau genutzt werden kann.

Die Bedingungen für den Neustart der Augustiner in Buta sind also gut, die Erwartungen des Bischofs und der Bevölkerung allerdings auch hoch. Es bleibt zu hoffen, dass den Augustinern, die in den nächsten Monaten in Buta ihre Arbeit aufnehmen, ein gutes Gelingen beschieden ist.

P. Alfons Tony OSA