nimm und lies

Kirchenblatt der Würzburger Augustiner
Nr. 277 - Mitte Juli bis Mitte August 2018

"Auszeit"

Liebe Leserinnen und Leser,

Es ist Sommer – immer wieder, mit Unterbrechung zwar, mit Temperaturschwankungen auch, mit denen sich die Jahreszeit selbst eine kleine Auszeit zu nehmen scheint, aber eindeutig Sommer. Und ungleich zu den dunkleren etwas unwirtlichen Jahreszeiten ist das Lebensgefühl gleich ein ganz anderes.

Selten im Jahr spüre ich so viel Lust und Sehnsucht, mich draußen aufzuhalten wie in diesen Tagen. Die Sonne vor dem Fenster und die Hitze, die sich in den Räumen staut, lassen ins Freie drängen. Wenn ich mich auf den Weg zu einem Termin mache, überlege ich viel häufiger, ob ich nicht die Zeit habe, die Strecke zu Fuß zu nehmen. Gespräche und Treffen verlege ich gerne in unseren Innenhof. Meine Aufenthalte draußen nehme ich viel intensiver wahr, ich bin nicht mehr eingepackt in mehrere Lagen, kann mich frei bewegen, spüre die Sonne direkt auf der Haut, die angenehme Abkühlung im Schatten, den Duft von trockenem Gras oder unterschiedlichen Blüten und oft genieße ich einfach diese freien Momente zum Verweilen.

Mit mir sind gefühlt ebenfalls viel mehr Menschen unterwegs, und auch sie scheinen sich für ihre Pausen mehr Zeit zu nehmen, scheinen öfter einen Platz an der Sonne zu suchen, um sich einfach bescheinen zu lassen, so dass ganz andere Begegnungen möglich werden. Leben scheint in diesen Sonnenzeiten wirklich leichter zu gehen. All diese kleinen alltäglichen Auszeiten haben für mich das Potenzial, einen Moment im Augenblick zu verweilen, das »Sollen« und auch das »Wollen« für einen Moment hinter mir zu lassen, um einmal einfach da sein zu können oder von längeren Abschnitten unverplanter Zeit zu träumen …

Wie der langsame Weg aus dem Alltagstrubel hin zum verweilenden Schauen beschritten werden kann, beschreibt das Gedicht »Meer« von Erich Fried für mich in einer sehr berührenden und einfühlsamen Sprache:

Meer (Erich Fried)

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen nur Meer
Nur Meer

Ob Sie Ihre Auszeiten mit einem Urlaub am Meer oder wo auch immer verbringen, oder ob Sie sich immer wieder kleinere Auszeiten in Ihrem ganz gewöhnlichen Alltag oder auch aus Ihren täglichen Sorgen gönnen… Ich wünsche Ihnen viele solcher Momente des einfachen und unverzweckten Daseins.

Ihre Elisabeth Wöhrle

Unser "nimm und lies"  erscheint etwa vier bis fünf Mal pro Jahr (themengebunden).

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