nimm und lies

Kirchenblatt der Würzburger Augustiner
Nr. 273 - November bis Anfang Dezember 2017

"Lieder zum Leben"

Liebe Leserinnen und Leser,

In irgendeiner Ecke meines Herzens wohnt ein kleiner Historiker, der schon einmal bereit ist, auf dem Hintergrund der Jubelfeiern zum Reformationsjubiläum, in den Geschichtsbüchern unseres Ordens herumzustöbern, um dann ein bisschen zu betrauern, wie viele Augustinerklöster in deutschsprachigen Gebieten in dieser Zeit verloren gegangen sind. Aber er packt dann ganz schnell alles wieder zusammen, denn er ist ja auch froh, dass unsere Kirche ist, wie sie ist; und sie wäre niemals die, die sie jetzt ist, ohne den schmerzhaften Einschnitt der Reformation.

Endlich musste sich die katholische Kirche bewegen. Einige der schlimmsten Ärgernisse wurden abgestellt. Priester erhielten nun eine fundierte theologische Ausbildung, und dem Ablasshandel wurde ein Ende bereitet. Und was den kleinen Mann in meinem Herzen ganz besonders freut, irgendwann zog der Volksgesang auch in den katholischen Kirchen ein. Lieder, die jeder verstehen konnte und jeder mitsingen konnte. Lieder, die selbst erlittene Not zum Klingen brachten und selbst durchlebte Freude.

Irgendwann machten die sangesfreudigen Kehlen der Katholiken auch nicht mehr halt vor den Liedern, die zum reformatorischen Liedgut gehörten. Möchten Sie auf "Ich steh an deiner Krippe hier" verzichten, dem Weihnachtslied, in dem uns Paul Gerhard so herzlich einlädt, uns von dem Kind in der Krippe lieben zu lassen und es auch lieb zu gewinnen, oder gar auf die gute Nachricht "Vom Himmel hoch, da komm ich her", die kein anderer verfasst hat als unser Mitbruder Martin Luther selbst? Ich möchte es nicht.

Es sind Lieder, die meinem Glauben Worte und Melodien schenken, Lieder zum Leben. Und so trauere ich auch nicht um die vielen Klöster, die dem Augustinerorden verloren gingen, sondern freue mich an einer Kirche, die offensichtlich die Reformation brauchte, um in Bewegung zu kommen. Wie schön, dass sich die damals getrennten Kirchen, langsam, aber stetig aufeinander zu bewegen. Da hat auch das Reformationsjubiläum so manchen Anstoß gegeben.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, auch im Namen meinen Mitbrüder, bewegende und gesegnete Herbsttage.

Ihr P. Dominik Wernicke OSA

Unser "nimm und lies"  erscheint etwa vier bis fünf Mal pro Jahr (themengebunden).

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