nimm und lies
Kirchenblatt der Würzburger Augustiner
Nr. 207 - Juli/August 2010
Andrés Urdaneta, der Navigator

Ferienzeit – Reisezeit. Von einem Jahr anstrengender Arbeit Gestresste streben an Orte, wo die Sonne scheint, wo es schön ist und erholsam, in die Berge, ans Meer. Manchmal ist auch die Reise das Ziel: eine Kreuzfahrt auf einem Traumschiff. Der Passagier wohnt in Luxuskabinen und tut sich an opulenten Mahlzeiten gütlich.
Es gab eine Zeit, da waren Reisen lebensgefährliche Unternehmungen, nur etwas für ganz harte Kerle, so auch für Andrés Urdaneta, einen siebzehnjährigen Basken, der auf dem Schiff des Juan Sebastian Elcano anheuerte, des großen Elcano, der die letzte Karavelle, die von des Erdumseglers Magellan Flotte übrig war, sicher in den Heimathafen gebracht hatte. Dieses Mal sollte nicht der ganze Globus umfahren werden, zu den Gewürzinseln sollte es gehen, den Molukken. Nelken, Pfeffer, Muskat gab es dort, Spezereien, die in Europa sündhaft teuer waren und die sich nur die Reichen leisten konnten. 1525 stach die Flotte von sieben Schiffen in See, segelte nach Westen, gelangte an die Magellanstraße an der Südspitze Südamerikas. Elcanos Schiff ging dort zu Bruch, die Mannschaft konnte sich retten. Die Molukken erreichte nur das Flaggschiff, und das wurde von den Portugiesen in den Grund gebohrt. Die hatten auf den fernen Inseln schon feste Plätze errichtet und verdienten sich am Gewürzhandel goldene Nasen. Sie duldeten keine europäische Konkurrenz. Immer auf der Flucht durchstreiften Urdaneta und seine Gefährten die Molukken, acht Jahre lang. Um überhaupt wieder nach Spanien zurückkehren zu können, musste er mit den Portugiesen Frieden schließen. Als er wieder europäischen Boden betrat, hatte er eine große Narbe im Gesicht, weil er einem Pulverfass zu nahe gekommen war, als das explodierte, und ein Töchterlein brachte er mit, das er den Nonnen eines Klosters in Lissabon zur Erziehung übergab.
Es hielt den Abenteurer nicht in Spanien. Er segelte nach Mexiko. Zwölf Jahre lang diente er dort der Kolonialregierung auf verschiedenen Posten, dann muss er, der trotz seiner Fehler und Härte immer ein frommer Mann war, ein Bekehrungserlebnis der besonderen Art gehabt haben: 1552 trat er in Mexiko-City in den Augustinerorden ein und wurde 1557 zum Priester geweiht. Das Vertrauen seiner Mitbrüder bestellte ihn, den Lebenserfahrenen, zum Novizenmeister. Lange konnte er sich aber nicht der klösterlichen Ruhe erfreuen. Als die Spanier 1559 eine Expedition auf die Philippinen schickten unter dem Befehl Miguel López de Legazpis, wünschte König Philipp II. den Pater Andrés als seemännischen Leiter. Am 21. November 1564 verließ eine Flotte von fünf Seglern den Hafen von Navidad an der Westküste Mexikos. Mit an Bord des Flaggschiffes San Pedro waren unter dem Prior Urdaneta vier weitere Augustiner. Im Februar 1565 erreichte die Flotte die Philippinen. Auf Cebú, wo die Augustiner immer noch das zentrale Heiligtum des Santo Niño hüten, begannen sie ihre missionarische Tätigkeit. Ihnen und ihren geistlichen Nachfahren ist es zu danken, dass die Philippinen katholisch sind, das einzige katholische Land Asiens.
Am 1. Juni 1565 segelte die San Pedro zurück nach Mexiko. Wieder war Pater Urdaneta der eigentliche Führer dieses schwierigen Unternehmens. Da er wusste, dass die Winde eine direkte Fahrt nach Osten unmöglich machen würden, segelte er zunächst weit nach Norden, um dann in einem großen Bogen Mexiko anzusteuern. 11 000 Seemeilen legte man zurück ohne Landsicht. Schließlich machte die San Pedro im Hafen von Acapulco fest.
Urdanetas Reisen waren damit immer noch nicht beendet. Anfang 1566 musste er wieder den Atlantik überqueren, um in Spanien Bericht zu erstatten über die Legazpi-Expedition. Ein Jahr später kehrte er nach Mexiko zurück. Am 3. Juni 1568 ging der Ruhelose ein in die Ruhe seines Herrn.
P. Michael Wernicke OSA
Eine aktuelle Ausgabe kann hier heruntergeladen werden: nul_207.pdf (912 KB)
Ältere Ausgaben:
nul_199.pdf - 712 KB
nul_200.pdf - 707 KB
nul_201.pdf - 640 KB
nul_202.pdf - 764 KB
nul_203.pdf - 864 KB
n_u_l204.pdf 915 KB
nul_205.pdf - 932 KB
nul_206.pdf - 750 KB
Kirchenmusik
Neu: WÜRZBURGER TASTENSPIEL 2010 - Aperokonzerte in der Würzburger AugustinerkircheSamstags von Juni bis September von 11.30 Uhr bis 12.00 Uhr Die weiteren Termine: 31. mehr...
Gottesdienste Würzburg
Montag: 11:30 hl. Messe, 17:00 Rosenkranz / Dienstag: 11:30 hl. Messe, 17:00 Musik und Meditation / Mittwoch: 11:30 hl. Messe, 17:00 Vesper mehr...
Musik und Meditation
Den Alltag unterbrechen in der Augustinerkirche ... mit Orgel, Violine, Flöte, Harfe, Saxophon, Gedichten, Cembalo, Gregoranik, Klarinette, Akkordeon, Vokalensemble, Cello, Texten, Gesang. mehr...
Auf der Suche nach Glück
Im Jahre 354 ist er geboren in Tagaste, dem heutigen Souk Ahras in Algerien. Die Mutter Monnika war fromme Katholikin, der Vater Patritius Taufbewerber. mehr...
Orden prägt Stadtgeschichte
Der Augustinerorden in Münnerstadt – Stark der Jugend verpflichtet:»Zum nicht geringen Nutzen der Seelen«, so lautet der Zweck, den der Augustinerorden in der Gründungsurkunde des Münnerstädter Augustinerklosters im Jahre 1279 nennt. mehr...
