P. Gerhard Ring verstorben
Wenn ich mit dir vereint sein werde,
mit meinem ganzen Wesen,
dann wird kein Schmerz
und keine Mühsal mich bedrücken.
Dann wird mein Leben wahres Leben sein,
ganz erfüllt von dir.
(Augustinus, Conf.)
P. Dr. Gerhard (Thomas) Ring OSA
Am Morgen des 27. Juli 2009 starb unser lieber P. Dr. Gerhard (Thomas) Ring OSA im Juliusspital in Würzburg. Seine zunehmende Herzschwäche hatte zur Folge, dass sich immer wieder Wasser in seinem Körper ansammelte und ihm das Atmen schwer machte. Linderung fand er immer wieder durch intensive Behandlungen im Krankenhaus. In den vergangenen Tagen spitzte sich sein Zustand derart zu, dass zusätzlich auch die Nieren versagten.

P. Gerhard wurde am 7. Juli 1936 in Budakeszi in Ungarn geboren. Im Zuge der Ausweisung der Ungarndeutschen kam er 1946 ins Nordbadische nach Herbolzheim an der Jagst, wo er erst die deutsche Sprache erlernen musste. Seit Anfang 1951 besuchte er als Klosterschüler das Gymnasium in Münnerstadt, wurde hier 1954 als Oblate eingekleidet, ging nach dem Abitur ins Noviziat und legte 1957 die einfache, 1960 die feierliche Profess ab. 1959 trat er aus der böhmischen Vizeprovinz in die deutsche Ordensprovinz über. Nach Abschluss der theologischen Studien an der Universität Würzburg empfing er 1962 die Diakonats- und 1963 die Priesterweihe. 1965 wurde er von Provinzial Willibald Popp zur Promotion freigestellt und zum Sozius des Klerikermagisters bestimmt.
1972 schloss er sein Spezialstudium bei den Professoren Alfons Auer und Georg Teichtweier mit dem moralgeschichtlichen Thema »Auctoritas bei Tertullian, Cyprian und Ambrosius« ab und erhielt beim Doktorexamen die Note »summa cum laude«. Noch im selben Jahr übernahm er das Direktorat des Klosterseminars Würzburg und versah diesen Dienst bis zur Auflösung des Internates zum Ende des Schuljahres 1981. Danach arbeitete er als Mitglied des Augustinus-Instituts an der Übersetzung und Kommentierung der gnadentheologischen Schriften des hl. Augustinus. Sofern seine angeschlagene Gesundheit es zuließ, hatte er sich als wissenschaftliches Lebensziel die Komplettierung der Reihe »Augustinus, Lehrer der Gnade« durch die Herausgabe der noch fehlenden beiden Werke gegen Julian gesetzt. Doch dazu ist es nun nicht mehr gekommen. Auch wenn die Schwerpunkte seiner Tätigkeit in der pädagogischen und wissenschaftlichen Arbeit lagen, war P. Gerhard auch von Herzen Seelsorger: in unserer Würzburger Klosterkirche, über Jahre im Bürgerspital, in der Hueberspflege sowie als Beichtvater bei den Klausurschwestern des Karmels Himmelspforten.
Vor allem seinen ehemaligen Schülern war er in großer Treue verbunden, er genoss diese Kontakte und liebte es, ein Wiedersehen mit gutem Essen und Trinken zu feiern. Im Alltag hingegen zog er sich immer mehr zurück, wurde im Gegensatz zu früher immer wortkarger und gab sich seinen Gewohnheiten hin. Es fiel ihm schwer seine Begrenztheiten zu akzeptieren und Hilfe anzunehmen, doch wurde ihm mehr und mehr bewusst, dass es ans Sterben geht. Möge er jetzt die Erlösung in der Geborgenheit Gottes erfahren, die Fülle des Lebens und das Fest ohne Ende.
