Mutter

Du gabst ihr durch Bischof Ambrosius Antwort:
»Lass ihn nur, wo er ist und bete für ihn zum Herrn. Er wird selbst durch Forschen
zur Einsicht kommen und erkennen, in welch einem Irrtum er befangen ist.
Ein Sohn so vieler Tränen kann nicht verloren gehen.«
Conf. III, 12, 21

»Ich kann's mit Worten nicht sagen, wie zärtlich sie mich liebte und wieviel größer die Angst war, mit der sie mich geistlich gebar, als ihre Angst bei meiner leiblichen Geburt.« Conf. V, 9, 16

Sie hat es ja nur gut gemeint
Er aber hat nicht gewollt
Er belügt sie und entzieht sich ihr heimlich
Er belächelt ihren Glauben und sucht eigene Wege
Jeder, jede will und muss den eigenen Weg finden und gehen
                                                                               P. Christoph OSA

»Es weinte um mich zu dir meine dir treu ergebene Mutter, mehr als sonst wohl Mütter ihrer Kinder leiblichen Tod beweinen. Du hast sie erhört und ihre Tränen nicht verachtet. Denn woher sonst wäre jener Traum gekommen, durch den du sie tröstetest, sodass sie einwilligte, wieder mit mir im gleichen Haus zusammen zu leben und Tischgemeinschaft mit mir zu halten? Aus Widerwillen und Abscheu vor meiner gotteslästerlichen Verirrung hatte sie sich nämlich dessen bereits geweigert.

Sie sah sich also im Traum auf einem hölzernen Richtscheit stehen, ganz in Kummer und Traurigkeit versunken. Da nahte sich ihr, heiter lächelnd, ein licht-strahlender Jüngling und fragte sie nach der Ursache der Traurigkeit und ihrer täglichen Tränen. Auf ihre Antwort, sie klage um mich, ihren verlorenen Sohn, hieß er sie ganz ruhig sein. Sie möge achtgeben und zuschauen, wo sie selber sei, da stehe auch ich. Als sie nun aufblickte, sah sie mich tatsächlich neben ihr auf demselben Richtscheit stehen.« Conf. III, 11, 19

Erleben, wie der Sohn sich verirrt und verstrickt
Wie er sich selbst und andere verletzt
Wo bleibt des Vaters Hand und Stütze?
Tränen vergießen
Den Bischof Ambrosius bestürmen, fragen, hören
Den Händen Gottes trauen - beten - lassen
P. Christoph OSA

 

»Du gabest ihr damals noch eine andere Antwort, durch einen Priester, einen in der Kirche aufgewachsenen, in den Schriften wohlbewanderten Bischof. Meine Mutter hatte ihn gebeten, er möge mich einer Unterredung würdigen, meine Irrtümer widerlegen, vom Bösen mir ab- und zum Guten mir zureden. Das tat sie nämlich auch sonst, wenn sie jemanden fand, der hierzu taugte. 
Aber jener lehnte ab, und zwar wohlweislich, wie ich später eingesehen habe. Er antwortete, ich sei noch zu ungelehrig. »Lass ihn nur, wo er ist und bete für ihn zum Herrn. Er wird selbst durch Forschen zur Einsicht kommen und erkennen, in welch einem Irrtum er befangen ist.«
Als nun meine Mutter sich durch diese Worte nicht beruhigen lassen wollte, sondern fortfuhr, ihn mit reichlichen Tränen nur noch mehr zu bestürmen, er möge mich doch aufsuchen und mit mir reden, wurde er beinahe ärgerlich und sprach: »Geh weg! So wahr du lebst, ein Sohn so vieler Tränen kann nicht verloren gehen.« Sie aber nahm dies auf, als sei es eine Stimme vom Himmel gewesen.«
Conf. III, 12, 21

 

Mutter, die ihn geboren,
ihn an der Brust gestillt hat,
Monika!

Manche - vor allem Frauen von heute - mögen Dich nicht.
Warum eigentlich?
Ärgert sie Deine Stärke oder Deine Schwäche?
Oder ärgert sie der Umgang mit Deinem Sohn,
die Erziehung von damals?

Was mag da vom eigenen Leben mitschwingen?
Sie werden es heute natürlich besser machen.
Jedenfalls haben sie den guten Willen dazu.

Das hatte meine Mutter ganz sicher auch.
Und doch hat sie nicht alles recht gemacht
bei mir, in meiner Erziehung.
Enttäuscht bin ich von ihr.
Sie war nur Mensch.
Ärgerlich, dass sie mir manches nicht gegeben hat,
dafür mir anderes hätte ersparen können.
Es wäre so vieles leichter geworden in meinem Leben.
Vielleicht?!

Manchmal denke ich so oder dachte so.
Offensichtlich gut, dass alle Mütter nur Menschen sind.

»Und ER sah, dass es sehr gut war.«
Ich kann's ja besser machen jetzt als meine Eltern damals.
Da merke ich, wie schwer es ist,
mich abzunabeln,
erwachsen und reif zu werden,
nicht auf andere zu schauen
und die Schuld nicht dorthin zu verschieben,
in eigener Verantwortung zu stehen und zu leben.

Dank kommt mir dann
für alles, was in meinem Leben mir Geschenk geworden,
nicht nur von meiner Mutter.

Von Herzen dankt Augustinus dem, der zum guten Ende führen will.
Mit seiner Mutter schaut er auf zu IHM, zum Licht in seinem Himmel.
Später erst.

Jetzt sind sie beide dort
und locken mich da hin,
zusammen auch mit meiner Mutter
oder Dich mit Deinem »Sohn«,
mit wem auch immer,
der / die mit mir schauen und hoffen mag.
                                               P. Christoph OSA

 

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