Mutter - Geliebte

Ich lebte mit einer Frau zusammen.
Da sie dem Heiratsplan (meiner Mutter) entgegenstand, wurde sie von meiner Seite gerissen. Mir blutete das Herz. Zurückgelassen hatte sie den natürlichen Sohn (Adeodat), den sie mir geboren.
nach Conf. VI, 15, 25

Gedanken des Künstlers Josef Speth

Entscheidend für die Aussage der gesamten Gruppe ist die Art der Aufstellung, um das Stehen der Personen zueinander, die Verhältnisse zwischen den Personen, die Beziehungen auszudrücken.

Die Mutter ist ihrem Sohn zugewandt, hat Kontakt zu ihm an der Schulter und im Fußbereich, neigt ihren Kopf ihm mütterlich zu. Augustinus ist ihr gegenüber nicht abweisend, dreht sich jedoch ein ganzes Stück von ihr weg, geht seinen eigenen Weg - Richtung nach vorne.

Die Geliebte ist Augustinus ebenfalls zugewandt. Durch den Winkel zwischen beiden Silhouetten jedoch erscheint die Beziehung anders als zwischen Mutter und Sohn: Sie wirkt körperlich näher und intensiver. Durch die wiederum vorwärtsschreitende Haltung des Augustinus wirkt diese Beziehung jedoch nicht absolut glücklich, harmonisch, denn auch hier ist Augustinus der Geliebten nicht zugewandt, eher »auf dem Weg, auf seinem Weg«.
Es ergibt sich von ganz alleine, dass Augustinus zwischen beiden Frauen steht.

»In jenen Jahren lebte ich mit einer Frau zusammen, der ich nicht in sogenannter gesetzmäßiger Ehe verbunden war, sondern die schweifende, törichte Liebesglut mir aufgespürt hatte. Doch war es nur die eine, und ich wahrte ihr die Treue.« Conf. IV, 2, 2

»Und weil nun die, mit der ich mein Lager zu teilen pflegte, da sie dem Heiratsplan im Wege stand, von meiner Seite gerissen war, wurde meinem Herzen, das an ihr hing, ein harter Schlag versetzt. Es war wund und blutete. Sie war nach Afrika zurückgekehrt und hatte dir gelobt, nie mehr von einem Mann etwas wissen zu wollen. Zurückgelassen hatte sie den natürlichen Sohn, den sie mir geboren.«
Conf. IV, 15, 25

Drei Heilige

..., auch wenn sie nicht alle drei

im großen Verzeichnis der Kirche stehen.

Augustinus wäre nicht geworden, wer er ist,
ohne diese beiden Frauen.

Sie haben ihn geliebt und geprägt, jede auf ihre Weise.
So ist gewachsen sein eigenes Profil:
Wirkend hinaus in die weite Welt,
in alle Länder der Erde,
in die Jahrhunderte der Menschen,
in Theologie und Kirche.

Und doch - wie schnell wird's vergessen -
auch wenn er's unermüdlich selbst betont:
Nur menschlich und vergänglich,
Beziehungen mit Schwächen und Versagen.

Der Mutter passt die Schwiegertochter nicht.
Sie ist nicht gut genug für ihren Sohn,
nicht »Standes-gemäß«.

Und doch leben beide 14 Jahre zusammen.
Wie schade, dass wir ihren Namen nicht wissen,
den Namen der Liebenden und Geliebten.
Schmerz und Scham sind Mantel der Verborgenheit.
Geheimnis der Frau, die ihm heraushilft aus zügelloser Leidenschaft,
die ihm zärtlich nahe, die ihm den Sohn geboren,
Adeodat, »von Gott geschenkt«.

 

Welche Liebe, welche Treue, die dann loslassen kann,

dem Willen Gottes trauen, auch wenn sie nicht begreift.
Sie bewahrt in ihrem Herzen - wie Maria.

Und er?!
Die Zeit von damals lässt's nicht zu,
den Schmerz, die Schuld auch anders zu bewerten.
Berührt und aufgebrochen ist sein Herz.
Dank und Freude, trotz Versagen und auch Schuld,
sind heilende Begleiter
und preisen Gottes Gnad und Huld.
ER webt und wirkt seit Anfang unsres Lebens
bis heut' in jeder menschlichen Beziehung.

Die Liebe lockt und trägt ihn weiter.
Sie wandelt Sucht zur Sehnsucht, 
verwandelt Schuld in Gnade. 
Sein Herz entbrennt in Liebe 
zu DEM, der selbst DIE LIEBE ist.

Die Liebe brennt noch heute,
will brennen Dir und mir,
will brennen in uns allen.

                                  P. Christoph OSA

 

 

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