Vorbilder

Da waren ganze Scharen edler Vorbilder, als wollten sie mir sagen:
Was stellst du dich auf dich selbst und kannst so doch nicht stehen? Wirf dich auf IHN !
Conf. VIII, 11, 27

»Damals nun, als ich mit mir zu Rate ging, dem Herrn, meinem Gott, zu dienen, wie ich es schon lang mir vorgenommen, war ich es, der wollte, ich auch, der nicht wollte, ich allein war's. Weder mein Wollen noch mein Nichtwollen waren voll, deshalb stritt ich mit mir, und so zerriss ich mich selbst.« Conf. VIII, 10, 22

»Da waren ganze Scharen edler Vorbilder, so viel Knaben waren da und Mädchen, Jugend in Fülle und alle Lebensalter, ernste Witwen und ergraute Jungfrauen. Sie lächelten mich an als wollten sie mir sagen: Und du kannst es nicht, was diese alle, Männer und Frauen gekonnt? Konnten sie es etwa aus eigener Kraft und nicht viel mehr in dem Herrn, ihrem Gott?

Der Herr, ihr Gott, hat's ihnen gegeben .Was stellst du dich auf dich selbst und kannst so doch nicht stehen? Wirf dich auf ihn und fürchte dich nicht! Er wird sich dir nicht entziehen, dich nicht fallen lassen. Ja, wirf dich getrost hin, er wird dich auffangen und gesund machen.«
Conf. VIII, 11, 27

»So suchte ich nach dem Wege, die Kraft zu gewinnen, die mich befähigte, dich zu genießen, doch fand ich ihn nicht eher, als bis ich den umfasste, der Mittler ist zwischen Gott und den Menschen, nämlich den Menschen Jesus Christus, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit«.
Conf. VII, 18, 24

Augustinus fand auf seiner Suche einen ganz wichtigen Begleiter, zunächst als Vorbild in der Rhetorik, dann als überzeugenden Prediger und später sogar als väterlichen Freund.

»Du hast, auf dass ich zum Heil meiner Seele den Wohnort wechselte, in Karthago Stacheln angesetzt, die mich forttrieben, in Rom dagegen mir Lockspeisen vorgehalten, und zwar durch Menschen, die ein totes Leben liebten, teils Unsinniges verübten, teils Eitles versprachen. Meine Schritte auf den rechten Weg zu lenken, hast du insgeheim ihrer und meiner Verderbtheit dich bedient.« Conf. V, 8, 14

»Als man von Mailand nach Rom zum Stadtpräfekten schickt, er möge für jene Stadt einen Lehrer der Rhetorik besorgen, bewarb ich mich darum. So kam ich nach Mailand zum Bischof Ambrosius. Ohne mein Wissen ward ich von dir ihm zugeführt, auf dass er mich vollbewusst dir zuführe. Mit väterlicher Freundlichkeitnahm dieser Gottesmann mich auf. So begann ich ihn zu lieben, anfänglich zwar noch nicht als Lehrer der Wahrheit, die ich in deiner Kirche nun einmal nicht finden zu können glaubte, sondern als einen mir wohlwollend gesinnten Mann. Eifrig hörte ich ihm zu, wenn er zum Volke sprach, freilich nicht mit der Absicht, die ich hätte haben sollen, sondern nur um seine Beredsamkeit zu prüfen, ob sie ihrem Ruf entspräche oder größer oder geringer sei, als man rühmte. Gespannt und aufmerksam lauschte ich seinen Worten, aber gleichgültig und geringschätzig blickte ich auf ihren Inhalt. Ich freute mich an der Anmut seines Vortrags, der, was die Redeweise anlangt, zwar gebildeter, aber weniger heiter und einschmeichelnd war als der des Faustus. Inhaltlich konnte man beider Rede natürlich nicht ver-gleichen, da dieser die manichäischen Irrwege ging, während jener heilsam die Heilswahrheit verkündete. Doch, das Heil ist fern von den Gottlosen, deren einer ich damals war, als ich ihn hörte. Doch ich näherte mich ihm allmählich und wusste es nicht.« Conf. V, 13, 23

»Denn obschon mir nichts daran lag, zu erfahren, was er sagte, sondern nur zu hören, wie er's sagte, so drang doch zugleich mit den Worten, die mir gefielen, auch der Inhalt, nach dem ich nicht fragte, in meine Seele. Denn das konnte ich nicht voneinander trennen. Während ich mein Herz öffnete, zu vernehmen, wie beredt er sprach, fand auch die Einsicht Eingang, wie wahr er sprach, freilich erst nach und nach.« Conf. V, 14, 24

»So griff ich denn mit größter Begier nach der verehrungswürdigen Schrift deines Geistes und vornehmlich nach deinem Apostel Paulus. Alle jene Anstöße, als ob er sich selbst widerspräche, wie mir einstens schien, als ob der Wortlaut seiner Predigt nicht zum Zeugnis des Gesetzes und der Propheten stimme, schwanden dahin. Was ich Wahres dort gelesen (im AT), fand ich hier (in den Paulusbriefen) wieder .Aber hier ward es mit Empfehlung deiner Gnade gesagt. Wer wird den Menschen erlösen vom Leibe des Todes, wenn nicht deine Gnade durch Jesum Christum.« Conf. VII, 21, 27

 

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