Confessiones - Bekenntnisse

Im Jahr 397 hat Augustinus mit dem Schreiben seiner »Bekenntnisse« begonnen. Aus dem suchenden Philosophen war inzwischen ein bekannter christlicher Schriftsteller sowie ein angesehener Prediger und Seelsorger geworden. Als er seine »Bekenntnisse« schrieb, war er schon zwei Jahre Bischof von Hippo in Nordafrika. Mehr als zehn Jahre waren also seit seiner Bekehrung vergangen.

Groß bist du, o Herr, und deines Lobes ist kein Ende; groß ist die Fülle deiner Kraft, und deine Weisheit ist unermesslich. Und loben will dich der Mensch, ein so geringer Teil deiner Schöpfung; der Mensch, der sich unter der Last der Sterblichkeit beugt, dem Zeugnis seiner Sünde, einem Zeugnis, dass du den Hoffärtigen widerstehest; und doch will dich loben der Mensch, ein so geringer Teil deiner Schöpfung. Du schaffest, dass er mit Freuden dich preise, denn zu deinem Eigentum erschufst du uns, und ruhelos ist unser Herz, bis es ruhet in dir. Kläre mich auf, o Herr, und lass mich erkennen, ob wir dich zuerst anrufen oder dich preisen; ob wir dich eher erfassen als anrufen sollen? Doch wer ruft dich an, solange du ihm unbekannt bist? Könnte dich, der dich nicht erkennt, statt des einen ein anderes Wesen anrufen? Oder wirst du zuvor angerufen, auf dass du erkannt werdest? Wie sollen sie aber anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber glauben an den, der ihnen nicht geprediget worden? Loben werden den Herrn, die ihn suchen. So ihn aber suchen, werden ihn finden, und die ihn finden, werden ihn loben. Ich will dich suchen, o Herr, im Gebet, und ich werde dich anrufen im Glauben: denn du bist uns verkündigt worden. Mein Glaube, den du mir gegeben, o Herr, ruft dich an, mein Glaube, den du mir einhauchtest durch die Menschwerdung deines Sohnes durch die Vermittlung deines Predigers.

Den Text der Bekenntnisse stellen wir in unserem Downloadbereich als PDF zur Verfügung:
Bekenntnisse.pdf - 930.46 KB

Im Netz ist er auch auf folgenden Seiten zu finden
Universitätsbibliothek Freiburg: http://www.ub.uni-freiburg.de
freie Ausgabe der Bibliothek der Kirchenväter: http://www.unifr.ch
Den lateinischen Text bietet die Bibliotheca Augustiniana an: http://www.hs-augsburg.de

Eine Einführung zu den Bekenntnissen

»Die Wahrheit tun im Bekenntnis« ist für Augustinus mehr als das Erzählen historischer Ereignisse. Unter »Wahrheit« versteht er Gott selbst, den er entdeckt und erlebt hat und den er nun, indem er sich beim Schreiben in seinem Innern zu ihm bekennt, auch vielen Lesern bekennen will. Er nennt seine Leser »Zeugen«, weil auch sie, so wie er, zu Zeugen einer christlichen Lebensauffassung werden sollen. »Bekennen« (confiteri) ist dabei mehr als nur eine »confessio peccatorum«, das demütige Bekennen der eigenen Ohnmacht, der Sünden, eine Sündenbeichte also, an die wir sofort denken. »Bekennen« (confiteri) bedeutet für Augustinus immer auch »confessio laudis«, also: das preisende Bekennen der Größe und Gnade Gottes. Beide Bedeutungen von Bekennen werden in den »Bekenntnissen« in eins gesehen, wobei der zweiten Bedeutung der Vorrang gegeben wird. Letztlich geht es ihm darum Gott im Bekenntnis zu loben, der ihn zu sich bekehrt und zu dem gemacht hat, der er heute ist (vgl. Conf 10,1-7). mehr...

Die gesamte Einführung zu den Bekenntnissen können Sie als PDF herunterladen: confessiones_hinfuehrung.pdf - 336.21 KB