»Das besondere Buch« der Augustinerbibliothek Münnerstadt

Eine Präsentation von Büchern, die aufgrund des Verfassers, der Thematik, des Drucks etc. besondere Aufmerksamkeit verdienen.

»P. Pius Keller schließt Lücke im Buch«

Pater Pius Keller (1825-1904), gebürtig aus Ballingshausen bei Schweinfurt (Ufr.), hat sich – nach der Krisenzeit der Säkularisation – vor allem als Restaurator des Augustinerordens in Deutschland große Verdienste erworben. 1895 wurde er zum ersten Provinzial der neu errichteten Bayerisch-Deutschen Augustinerprovinz gewählt.
Mit Münnerstadt war Pius Keller seit seiner Jugend eng verbunden: Er war Schüler am Gymnasium der Augustiner und wirkte später jahrzehntelang als Prior des Klosters Münnerstadt sowie als Professor am dortigen Gymnasium.

Die Erschließung der Sachgruppe »Geschichte, Weltgeschichte, Altertümer« der Augustinerbibliothek Münnerstadt förderte einige bis dahin nicht bekannte oder vergessene Zeugnisse zutage, die den hochangesehenen Augustiner, dessen Seligsprechungsprozeß 1934 eröffnet wurde, auch von seiner privaten Seite zeigen:
Dazu gehören historische Werke mit Widmungen des Königlich-bayerischen Studienrektorats, die dem fleißigen Schüler als Buchpreise zuerkannt wurden und die später in den Bestand der Bibliothek übergingen.

Daß Pius Keller der fränkischen Heimat zeitlebens verbunden war, zeigt u.a. der Fehldruck von »Geschichte des Centgerichts und der Pfarrei Maßbach« von Georg Heinrich Kretzer, Meiningen 1861, bei dem der Augustiner die fehlenden Seiten (S. 227-238) handschriftlich mit schwarzer und roter Tinte nachgetragen hat. Vielleicht hat sich P. Pius auch deshalb für Kretzers Werk interessiert, weil der Autor, Pfarrer von Maßbach, auch das tragische Schiffsunglück im Jahre 1847 erwähnt, bei dem 36 ausgewanderte Maßbacher kurz vor New York den Tod fanden.
Weiterer Fund ist ein eingelegter Zettel von Kellers Hand mit roten Notizen zur Geschichte von Stadtlauringen – dem Markt, in den sein Geburtsort heute eingemeindet ist.

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»Katzenklavier«

Erasmus Francisci (1627-1694)

Die lustige Schau-Bühne von allerhand Curiositäten
Nürnberg: Endter 1663
[7] Bl., 1048 S., [12] Bl.
Sign.: qa 970

Erasmus Francisci (1627-1694), Universalgelehrter und beliebter Schriftsteller des Barock, wurde u.a. durch seine Kuriositätenanthologie bekannt, aus der noch Grimmelshausen schöpfte. Das gebildete Lesepublikum ergötzte sich an den sensationellen Berichten über wahre oder fiktive Begebenheiten –so auch über das »Katzenklavier«:

Es hat sich unlängst zu Rom begeben / daß ein junger Herr in eine Schwermüthigkeit gefallen: welchem Übel abzuhelfen … erdachte ein sinnreicher Comediant ein sonderbares Instrument …: Er kauffte eine zimliche Anzahl lebendiger Katzen / unterschiedlicher Größe; sperrete dieselbige in einen dazu bequemlich verfertigten Kasten; theilte die Schwäntze in gewisse Canäl also ein / daß sie zu den Löchern heraus sahen: setzte darüber etliche Clavier mit spitzigen Stacheln.
Mit den Katzen hielt er ferner diese Ordnung: Er hatte vorher / mit allem Fleiß / den  unterschiedenen Laut ihres Geschreyes erforschet; stellete sie derwegen / nach ihrer unterschiedlichen Größe / Tonweise also; daß gerade über jeglichen Schwantz ein Clavis mit dem Stachel zu stehen kam. Demnach nun das Instrument / mit aller Zugehör / zur Lust deß Fürsten / verfertigt: stellete er selbiges / an einen bequemen Ort: da es / wann es gespielt worden / einen solchen Klang und Harmony gegeben; als die Katzen ihre Stimmen geben können. Wann der Instrumentist das Clavier / mit den Fingern / nieder druckte; stachen diese mit ihren Stachel-Spitzen auf die Katzen-Schwäntze dergestalt zu / daß die Katzen davon toll und unsinnig wurden. Bald miaute eine kleinere / bald brumte ein grober Kater: ingesamt aber variirten sie den Ton gar erbärmlich / diese hoch / jene niedrig / und machten eine so seltsame lächerliche Harmony / davon die Zuhörer vor Gelächter … hätten närrisch … werden mögen.
Wir können uns so … / bey bloßer Einbildung / wie närrisch es müsse geklungen haben / des Lachens nicht enthalten: was würde geschehen / da man uns dergleichen würcklich für Augen stellete?

Nachtrag: Das Katzenklavier gilt als Erfindung des Jesuiten Athanasius Kircher. Es handelt sich um ein fiktives Musikinstrument.

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... anläßlich der Kiliani-Woche

Der blindgeprägte Ledereinband zeigt auf der Vorderseite das Bild des Frankenapostels Kilian, mit Schwert und Bischofsstab, darunter das Wappen des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn.
Die Umschrift lautet: SANCT / KILLI // AN EP / ISCOP // WIRCBV / RGENSIS
Die Initialen H H verweisen auf den Würzburger Buchbinder Hans Herolt, den sogenannten Meister der Bischofsplatten »Kilian« und »Burkard«. Herolt wurde in Hopferstadt bei Ochsenfurt geboren und wirkte 1569 bis 1609 in Würzburg. Der Einband mit der Jahreszahl 1613 stammt aus seiner Nachfolgewerkstatt.

Auf dem Rückendeckel ist das Bild des hl. Burkard, des ersten Bischofs von Würzburg, eingeprägt.

Der Band enthält als Vorlesungsmitschrift den Commentarius in universam Aristotelis logicam des Jesuiten Johannes Georgius, der von 1613 bis 1615 an der Universität Würzburg lehrte. Die schön verzierte Handschrift gelangte Mitte des 17. Jahrhunderts in die Klosterbibliothek Münnerstadt.

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»Twiss Pot«

Richard Twiss

Reise durch Irrland im Jahr 1775
Leipzig: Junius 1777
142 S.
Sign.: ra 242

Der höchst subjektive Reisebericht des Niederländers Richard Twiss (1747-1821) basiert auf seiner fünfmonatigen Tour durch Irland im Jahre 1775. In wenig schmeichelhaften Worten läßt sich Twiss über Land und Leute aus, was verständlicherweise den Unmut der irischen Bevölkerung hervorrief, zumal seine oft zitierte Darstellung für lange Zeit ein negatives Irland-Bild prägte. Sein Eindruck z.B. von Dublin ist folgender (S. 24): Um die Stadt herum sieht man fast nichts als Hütten. Diese sind von getrocknetem Leim, und mehrentheils ohne Schonstein ohne Fenster; und in diesen elenden Wohnungen bringt der größte Theil der Einwohner von Irrland sein unglückliches Leben zu. … mit diesen Ertoffeln und Milch nähren sich die gemeinen Irren das ganze Jahr durch, ohne Brod oder Fleisch zu genießen … Das wenige, was die Männer mit ihrer Arbeit … erübrigen können, wird gemeiniglich in Whisky … verzehrt. Schuhe und Strümpfe tragen diese Geschöpfe, die ein ganz besonderes Geschlecht von Menschen zu seyn scheinen, ganz und gar nicht.
Von einer Erfahrung auf dem Lande schreibt Twiss (S. 56): Da ich vor einem heftigen Regenguß Schutz suchen mußte, so kehrte ich in einer Hütte ein, wo die Hühner ganz vertraut mir auf den Schoos flogen, um gefüttert zu werden.

Die Iren wußten sich zu rächen: Sie kreierten den »Twiss Pot« – Nachttöpfe, deren Boden das Konterfei von Richard Twiss mit offenem Mund zeigte und die mit den ebenfalls wenig schmeichelhaften Worten geziert waren: Come, let us piss on Mr. Twiss.
Dieser Reaktion der Iren fand bald Eingang in die »Sudelbücher« von Georg Christoph Lichtenberg. 2008 erschien ein Reprint der englischen Originalausgabe, versehen mit einem Kommentar, um das unliebsame Kapitel irischer Geschichte aufzuarbeiten.

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Engelbert Klüpfel

Αριστοτελους του Σταγειριτου τα σωζομενα . Operum Aristotelis Stagiritae Philosophorum omnium longe principis nova editio, Graece & Latine. [Ed.: Julius Pacius]. Tomus 1. [Genf] : Læmarius, 1597, 8°, [8] Bl., 1517, [20] Bl.
Sign.: hb 88/1

Das Titelblatt trägt den Besitzvermerk ex libris P. Engelberti Klüpfel Augustiniani 1766 SS. Theologiae Lectoris Constantiae.
Engelbert Klüpfel, 1733 in Wipfeld bei Schweinfurt geboren, trat dem Orden der Augustinereremiten bei und wurde 1756 zum Priester geweiht.
Nach seiner Studienzeit in Freiburg i. Ue., Erfurt, Freiburg i.Br. und Konstanz wirkte Klüpfel als Dozent an den Ordensschulen der Augustiner in Münnerstadt, Oberndorf a. N. und Mainz.
Die Münnerstädter Aristoteles-Ausgabe benutzte Engelbert Klüpfel 1766 während seiner Zeit als Lector am Studium der Augustiner in Konstanz, bevor er im darauffolgenden Jahr als Professor für Dogmatik, ab 1785 zusätzlich als Professor für Apologetik an die Universität Freiburg berufen wurde.
Klüpfel wurde zu einem der führenden katholischen Theologen der Aufklärungszeit, dessen zweibändige Dogmatik Institutiones theologiae dogmaticae bis 1856 an den theologischen Hochschulen der Habsburgermonarchie offizielles Lehrbuch war.
Ferner machte sich Klüpfel als Begründer und Autor der theologischen Zeitschrift Bibliotheca Nova Ecclesiastica Friburgensis (1775-1790) einen Namen, die zum ersten Rezensionsorgan der katholischen Theologie im deutschen Sprachraum wurde.
Engelbert Klüpfel starb 1811 in Freiburg i. Br.

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Rezept gegen Vergeßlichkeit

Valentino Kräutermann [= Christoph von Hellwig] [1663-1721]

 Die bestürmte aber entsetzte Residentz der Vernunfft oder von dem Gedächtniß Wie dasselbe bis ins hohe Alter gut zu erhalten das geschwächte zu stärcken und das verlohrne wieder zu bringen sey :
Nebst etlichen insonderheit zwey hindangefügten Universal Artzneyen sich bis in ein sehr hohes Alter gesund und bey jugendlichen Kräfften zu erhalten und die Metallen zu erhöhen ...
Arnstadt und Leipzig : Beümelburg, 1745
[9] Bl., 152 [= 142] S. : Frontisp. ; 8°
Sign.: sm 16/b (früher: Sa 27/b)

Christoph von Hellwig (1663-1721) lebte und wirkte als Arzt in Thüringen und verfaßte unter verschiedenen Pseudonymen (z.B. Valentino Kräutermann) zahlreiche medizinische Schriften in deutscher Sprache. Seine Leser waren praktische Ärzte, Hebammen und Apotheker, aber auch das breitere Publikum. Hellwig gilt als Erfinder der Zahnbürste.

Sein Rezept gegen zunehmende Vergeßlichkeit (S. 37f.):
Wohlzeitige abgezapfte Mayen-Blümlein soviel, daß man sie ohngefehr mit ein sechszehntheil einer Maaß oder halben achttheil übergießen könne. Thue es in eine saubere Zinnerne Kanne, geuß ein gut frisch Baum-Oel drüber, daß es eben über die Blumen gehe, setz die Kanne mit dem Oel und Meyen-Blümlein in einen Kupffern ... Kessel mit siedendem Wasser, laß eine halbe Stunde darinne sieden, darnach seyhe es durch ein Tüchlein, und trucks aus, thue wieder frische Meyen-Blümlein darein, siede es wieder, trucks auch wieder aus, wie zuvor. Das tue auch zum drittenmal, daß du frische Blumen in das Oel thust, doch in ein Glas.
Setze das Glas damit an die Sonne und laß 30 Tage stehen. Alsdann seyhe das Oel wieder von den Blumen, thue es in ein sauber Glas und thue darzu ein große Muskaten-Nuß, rein geschabet oder gestoßen, 15 Eubeben Körnlein und 15 Gewürz-Nelcken, alles gestoßen.
Setz das Glas wieder 14 Tage an die Sonne, so ist es fertig.
Anwendung: Von diesem Oel laß etlich mal im Monath ein wenig, in einem irdenen Geschirr, auf einer Glut wohl warm werden und schmier den Nacken damit, Morgends nüchtern, oder des Abends vor dem Schlafengehen. Doch siehe, daß du dich darauf vor Kälte wohl verwahrest.