Augustinerbibliothek Münnerstadt

Die Augustinerbibliothek Münnerstadt besitzt einen bedeutenden historischen Buchbestand von derzeit ca. 70.000 Bänden.
Dieser Bestand verteilt sich jeweils etwa zur Hälfte auf theologische und weltliche Literatur.

Damit umfaßt die Münnerstädter Einrichtung unter den Klosterbibliotheken, die sowohl Theologica als auch weltliche Wissenschaften aufweisen, einen der größten Bestände weltweit.
Die Blütezeit der Bibliothek, deren Anfänge auf die Klostergründung 1279 zurückreichen, begann 1685 mit der Übernahme des von Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn gegründeten Gymnasiums durch die Augustiner. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert war die Augustinerbliothek durch die Versorgung ihrer Nutzer mit Literatur aus fast allen Wissensgebieten neben der Universitätsbibliothek Würzburg die bedeutendste Bibliothek in Unterfranken.
Ihr Bestandsprofil wurde einerseits durch die geistigen und religiösen Interessen des Klosters, andererseits durch die Bildungskonzepte der Zeit und die Lehrpläne für den Schulbetrieb geprägt. Ferner haben das Schultheater der Augustiner wie auch die von ihnen geleitete Kirchenmusikschule in der Bibliothek ihren reichen Niederschlag gefunden.
Da die Klosterbibliothek während der Säkularisation nicht aufgelöst wurde, blieb die Geschlossenheit der Sammlung, inklusive der Handschriften, Inkunabeln, Frühdrucke, Rara und Zeitschriften, durch die Jahrhunderte bis heute erhalten.
Seit 2014 befindet sich die Augustinerbibliothek in der Trägerschaft der Bayerisch-Deutschen Augustinerordensprovinz.

Kontakt

Augustinerbibliothek Münnerstadt
Klostergasse 10
97702 Münnerstadt
Tel.: +49/(0)931/3097-308 od. 309
Fax: +49/(0)931/3097-304
E-Mail:

Anfragen zu den Beständen und zur Benutzung können an Frau Dr. Carolin Oser-Grote, Leiterin der Bibliotheca Augustiniana in Würzburg und der Augustinerbibliothek Münnerstadt, gerichtet werden. Postadresse ist die Anschrift der Bibliotheca Augustiniana.

Bibliotheksbestand

Zum derzeitigen Bestand von ca. 70.000 Bänden, aufgeteilt in theologische und weltliche Sachgruppen, gehören 73 Inkunabeln, 212 Frühdrucke bis zum Erscheinungsjahr 1530, darunter 60 Original-Flugschriften von Martin Luther und weiteren Reformatoren, und 188 Rara.
Diese Druckwerke stammen hauptsächlich aus den Gebieten der Theologie und Patristik, der Klassischen Philologie einschließlich des Neulateins sowie der Astronomie und Geographie. Weitere Inhalte sind u.a. Medizin, Zoologie, Botanik und Technik.
Die überwiegend frühneuzeitliche Handschriften- und Autographensammlung von 430 Werken bietet wertvolles Quellenmaterial zur Kirchen- und Ordensgeschichte, fränkischen Landesgeschichte, Universitätsgeschichte und Theatergeschichte. (Spät-)mittelalterliche Handschriften sind in geringer Anzahl vorhanden.
Aus Sicherheitsgründen wurden diese Sondersammlungen 2010 nach Würzburg in das Archiv der Augustinerordensprovinz ausgelagert.

450 Drucke tragen das Erscheinungsjahr 1531-1600, auf das 17. und 18. Jahrhundert entfallen 7.000 Drucke.
Die enorme Bestandserweiterung im 18. Jahrhundert resultiert aus der pädagogischen Reformbewegung der Aufklärung und ihrer Auswirkung auf den Lehrplan des Münnerstädter Gymnasiums, vor allem auf Fächer wie Deutsch und ‚Realien‘.
Aus dieser Epoche stammen auch die Sammlung theologischer Dissertationen an neun Universitäten sowie zahlreiche Kontroversschriften. Insgesamt datieren etwa 7.400 Bände in die Zeit vor 1800.
Im 19. Jahrhundert nahm der Bestand durch Käufe, Schenkungen und Nachlässe, z.B. aus Gelehrtenbibliotheken, weiter zu. Nach der Säkularisation kamen große Zuwächse durch den Erwerb von Büchern aufgelöster Klöster aus der Region.

Ferner besitzt die Augustinerbibliothek einen reichen Bestand an theologischen und weltlichen Zeitschriften, der vom 18. bis zum 20. Jahrhundert auf ca. 9.700 Bände anstieg. Darunter befinden sich unikale Jahrgänge aus der NS-Zeit. Hinzu kommen Schulprogramme ab 1849/50.

Die ca. 2.000 Musikalien reichen von einem größeren Neumenfragment über ein vortridentinisches Missale (Venedig 1513) bis hin zu Chor- und Orchesterwerken fränkischer Kirchenmusiker des 18. und 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Notendrucke aus dem Bestand der Kirchenmusikschule unter der Leitung der Augustiner sind Unikate.