Kritische Edition des Sentenzenkommentars des Dionysius von Borgo San Sepolcro
Handschrift UB Erfurt, Dep. Erf. CA. 2° 131

Editionsprojekt in Kooperation mit der »Bibliotheca Amploniana«, Erfurt

Der Augustinereremit Dionysius von Borgo San Sepolcro (* um 1280, † 1342), ein enger Freund Petrarcas und Vertrauter Boccaccios, hielt 1316/17 in Paris seine Sentenzenlesung zu den ersten beiden Büchern des Petrus Lombardus und wurde spätestens 1328 zum Magister der Theologie ernannt. Die Bedeutung des Dionysius, der zweimal Provinzial seines Ordens und zuletzt Bischof von Monopoli (Apulien) war, gründete bisher jedoch vor allem auf seinem renommierten Kommentar zu den Dicta et facta memorabilia des Valerius Maximus sowie auf seinen Auslegungen klassischer Autoren wie Aristoteles, Vergil, Ovid und Seneca, aufgrund derer er zum ersten bedeutenden Humanisten unter den Augustinertheologen des späten Mittelalters wurde. Dagegen fand sein Sentenzenkommentar in der Forschung kaum Beachtung, da der Text nur ungedruckt vorliegt.

Ziel des Projektes ist daher die erstmalige kritische Edition von Dionysius’ Lectura zum ersten und zweiten Buch der Sentenzen. Der wahrscheinlich einzige Textzeuge ist der um 1317 wohl in Paris entstandene und sich jetzt in der UFB Erfurt/Gotha befindende Codex Amplonianus 131 (vgl. Schum, 86f.).

Erste größere Aufmerksamkeit erfuhr der Codex Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, als im Rahmen des neu gegründeten »Augustinus-Instituts der Deutschen Augustiner« in Würzburg die Augustiner Damasus Trapp, Hermenegild Biedermann und Adolar Zumkeller eine Transkription des ersten Buches der Lectura vornahmen. Die vorgesehene Abschrift des zweiten Buches ist jedoch unterblieben.

In Anknüpfung an diese Vorarbeiten soll nun die vollständige Edition des Sentenzenkommentars des Dionysius, ergänzt durch eine Einführung in dieses Werk, unternommen werden. Es ist zu erwarten, daß der Kommentar vor allem unter dem Aspekt der Augustinusrezeption in der Auseinandersetzung mit Ägidius Romanus und Thomas von Aquin eine wichtige Rolle spielen wird.

Bearbeiter:
Dr. Andreas E.J. Grote (Leitender Redaktor des »Augustinus-Lexikons«)
Dr. Carolin Oser-Grote (»Bibliotheca Augustiniana«)