Über die Hügel von Ndendule

Eine Wallfahrt als Zeitmaschine:

Kapelle "Bethanien"

Von Bethanien aus, bekanntlich nur ein paar Stadien von Jerusalem entfernt, gehen die Wallfahrer zur neuen Buschkirche zum seligen Isidor Bakanja. Die nächste Station ist der Quo-Vadis-Stein, der an den Stadtrand von Rom gehört. Hier verlassen sie den Hauptweg und steigen zwischen den Sträuchern hinauf zum Kalvarienberg, der wiederum bei Jerusalem lokalisiert wird. Von dort durchqueren sie ein Tal, in dem vor ein paar Jahren Goldsucher den Bach nach Edelmetall durchsuchten. Jetzt besteigen sie den Berg „Tabor“ mit der guten Aussicht und steuern dann als Ziel einen Stein am Friedhof von Ndendule an, der an das letzte Gespräch zwischen dem heiligen Augustinus und seiner Mutter Monika erinnert, und das fand bekanntlich in Ostia statt, der Hafenstadt Roms am Mittelmeer. Ein Weg, der sehr unterschiedliche Orte und Zeitpunkte miteinander verbindet. Geschaffen hat diesen etwa 20 Kilometer langen Rundweg der deutsche Augustinerpater Ferdinand Bodensteiner. Gegangen ist ihn mit rund zweihundert jungen Leuten der kongolesische Augustinerpater Charles.

Die jungen Leute kamen in Fußmärschen von bis zu 90 Kilometern am Freitag nach Ndendule. Am Samstagmorgen beginnt die Wallfahrt in der Anbetungskapelle „Bethanien“, die am Weg zwischen Amadi und Poko liegt. Maria und Marta laden zur Einkehr ein, zur Begegnung mit Jesus, mit Gott. Ausgehend von dem Augustinuswort: „… unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in Dir …“, das groß an die Wand dieser Kapelle geschrieben ist, meditierten die Jugendlichen über ihr Leben und überlegten, was sie aus den Beispielen des großen „Afrikaners“ Augustinus und ihrer selig gesprochenen kongolesischen Landsleute Isidor Bakanja und Anuarite für ihr Leben übernehmen könnten.

 

Kapelle "Isidor Bakanja"

So führt denn auch die Wallfahrt an der neuen, dem Isidor Bakanja geweihten Kapelle und der Statue Anuarites vorbei zum „Kalvarienberg“ mit seinen drei Kreuzen, direkt auf dem Weg nach Poko.

"Quo-Vadis-Stein" mit Kalvarienberg

Auf dem Weg nach Poko und weiter nach Isiro, da sind sie täglich unterwegs, die Händler, Gold- und Diamantensucher. Deshalb soll sie der „Quo-Vadis-Stein“ am Weg unterhalb des Hügels daran erinnern, dass es auch noch andere „Schätze“ gibt, z. B. die kostbare Perle, von der Jesus im Gleichnis spricht und zu deren Suche sich auch ein Augustinus sowie die Seligen Isidor Bakanja und Annuarite aufgemacht hatten. Der Stein lädt die vorüber Gehenden oder Fahrenden auch ein, diesen AAB-Rundweg (Augustinus – Anuarite – Bakanja-Rundweg) einmal selbst mitzugehen.

P. Charles beim Gottesdienst auf dem Berg Tabor

Nach einer Meditation über das Leiden und Sterben Jesu und über den Sinn des Leidens, ging es weiter zum Berg Tabor mit der schönen Aussicht. Nach einem Imbiss wurde die ganze Nacht hindurch gebetet und gesungen, und am Sonntagmorgen, bei Sonnenaufgang, feierte P. Charles mit der Gruppe Eucharistie. Das Thema „Tabor“ wurde dann noch vertieft auf der letzten Etappe der Wallfahrt, die nach etwa zwei Kilometern am Gedenkstein des letzten Gesprächs zwischen Augustinus Monika endete.

Stein Augustinus - Monika

Das berühmte Wort des hl. Augustinus: „Dort werden wir schauen, schauen und lieben, lieben und loben am Ende ohne Ende …“, das den Stein umrundet, schloss den Kreis. (Der Stein steht am Eingang eines kleinen Friedhofs, um den Leuten die Angst vor den Toten und den Gräbern zu nehmen.)

Die kleine Stammbesatzung des Zentrums Ndendule schaffte es, die zweihundert jungen Leute zu verpflegen und am Sonntagnachmittag Spiele zu veranstalten. Beim Tauziehen Frauen gegen Männer gewannen die Damen, weil sie einfach schneller begriffen, um was es ging, und beim Fußballspielen überwog der Eifer sichtlich das taktische Grundverständnis. Beim Dunkelwerden kam der heilige Martin hoch zu Ross und demonstrierte Nächstenliebe. Beim anschließenden Martinszug kamen endlich auch die kleinsten Kongolesen zum Zug und waren glücklich wie Kinder in aller Welt, wenn sie Laternen schwenken dürfen.

P. Roger Gerhardy OSA