„Hören, was vor Ort klingt ...“

Projekt Neubeginn in Erfurt

Das sind die Worte von P. Jeremias, die er seit seinem Aufenthalt 2010/2011 in Erfurt immer wieder in die Diskussionen einbringt. Ja, wir Augustiner wollen nach Erfurt und hören, was die Menschen dort brauchen, wie wir uns mit unseren Gaben und Möglichkeiten in der Stadt verorten können. Und dass es dazu kommen könnte, hat eine lange Geschichte...

Bereits auf dem dritten Teil des Provinzkapitels 2011, bei dem es um die Besetzung der Konvente und die Konkretisierung der Beschlüsse und Themen des Kapitels geht, wurde intensiv über einen projekthaften Start in Erfurt nachgedacht. Damals konnten - auch in der engen personellen Situation – keine tragenden Perspektiven gesehen werden. Nachdem 2012 der schmerzliche Schritt getan wurde, Messelhausen zu schließen, die Immobilie zu veräußern und den Konvent aufzulösen, stellte sich die Frage nach einer Neuorientierung für die Provinz. Es begann die Suche nach Hoffnungsschritten. Wenn das Augustinersein in Deutschland immer wieder von Auflösung und Schließung, von Ende und dem „Nicht-mehr“ geprägt wird, dann entsteht eine negative Grundstimmung. Dem sollte ein Hoffnungszeichen entgegengesetzt werden. Im Fokus der Überlegungen stand mit Bezug auf unseren Gründungsauftrag im 13. Jahrhundert ein Neubeginn mit einer kleinen Kommunität im Zentrum einer Stadt. Da leuchtete am Horizont wieder Erfurt auf.

Zunächst sollte aber geprüft werden, was ein Neubeginn bedeuten würde, wie er aussehen könnte, welche Gestaltungsmöglichkeiten und auch welche Voraussetzungen es dafür geben kann und muss. So wurde eine erste „Kundschaftergruppe“ beauftragt, die Rahmenbedingungen auszuloten. Eine zweite Gruppe folgte, die dann konkrete Orte in den Blick nahm. Da die Exploration von Erfurt schon sehr fortgeschritten war – eben durch P. Jeremias – rückte dieser Ort als erstes in den Blick. Ohne Festlegung und offen für mögliche Ansätze, wie auch bereit, ganz neu andere Orte zu erkunden, gab es dann im Januar 2013 ein Treffen der Provinzleitung mit Mitgliedern der Bistumsleitung in Erfurt.

Der erste Eindruck war: Wir sind willkommen. Und nicht nur das – das Treffen machte deutlich, dass es in Erfurt ein offenes Ohr und Verständnis dafür gibt, dass wir Augustiner zwar auf die Nöte der Kirche vor Ort schauen – also Aufgaben übernehmen, die das Bistum anbietet – genauso gut aber können und wollen wir in der Mitte dieser Stadt das suchen und entdecken, was wir Augustiner in den Gesamtklang des Ortes mit einbringen können.

So stehen wir nun in einem Prozess, in dem schon viele Schritte getan sind. Dennoch gibt es noch keine Sicherheiten. Der Rahmen scheint gesteckt: eine Zusammenarbeit auf sechs Jahre - mit der Option auf mehr, Aufgaben außerhalb der Pfarreien, ein Ort in der Mitte der Stadt, Wohnmöglichkeiten für drei bis vier Brüder und für sie ein Ort für die spirituelle und liturgische Präsenz. Weitere Klärung erfolgt in den nächsten Wochen. Und der „Auftrag“ der Brüder bei der Provinzversammlung gilt: „Geht es an. Jetzt!“


P. Lukas Schmidkunz OSA