Fährbrück im neuen Glanz

Erhabene Orgelmusik, vortrefflicher Zwischengesang, ein klangvolles Bläserquartett sowie dankende und aufbauende Worte trugen dazu bei, dass der Gottesdienst zum Abschluss der Kirchenrenovierung am Sonntag, dem 2. Februar 2003, am Fest der Darstellung des Herrn, ein wahrhaft festliches Erlebnis war. Den Festgottesdienst zelebrierte der Würzburger Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand, zusammen mit dem Fährbrücker Prior P. Marcellus Jahnel und P. Dr. Michael Wernicke. Fährbrück liegt auf halber Strecke zwischen Würzburg und Schweinfurt an der B 19 und gehört zur Gemeinde Hausen. In Fährbrück gibt es nur vier Gebäude: die Wallfahrtskirche, das Augustinerkloster, ein Gasthaus und einen Aussiedlerhof. Vorgänger der heutigen Wallfahrtskirche waren Kapellen aus dem 12. und 17. Jahrhundert. Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg, der Erbauer der frühbarocken Kirche und Förderer der Wallfahrt, hat im Jahr 1683 den Abriss der zu klein gewordenen Kirche angeordnet und die neue stattliche Kirche erbauen lassen. Im Jahr 1697 fand die Einweihung statt. Bevor die Augustiner im Jahr 1880 Fährbrück übernahmen, wirkten als Vorgänger dort Karmeliten und Redemptoristen.

»Verborgen und stille im fränkischen Gau spend't Gnaden in Fülle die himmlische Frau«, so beginnt ein altes Fährbrücker Wallfahrtslied. Beschauliche Stille - davon konnte in den vorausgehenden elf Monaten in Fährbrück aber gewiss nicht die Rede sein. In der frühbarocken Kirche wurde gehämmert und gefräst, bis zur Decke standen die Gerüste. Und Bauleiter Gottfried Biedermann sowie Handwerker und Verantwortliche der Diözese und des Denkmalamtes gaben sich die Klinke in die Hand. Heraus kam eine auf Nachhaltigkeit bedachte Sanierung mit der Installation einer umweltfreundlichen Solaranlage und einer modernen Wandheizung.
Der erste Eindruck ist überwältigend. Es ist ansprechend hell im Raum und man riecht noch frische Farbe. Ein weißer Wandton lässt die farbigen Stuck-Marmoraltäre besonders edel wirken. Neue Kirchenbänke und Podeste aus massivem Kiefernholz harmonieren mit den Beichtstühlen und dem neuen Beichtzimmer. Sanfte Ockerfarben heben Fenster, Türen, Wandpfeilerbasen, Säulen und Balustraden hervor. Als besonders ansprechend kann die »Gnadenkapelle« der Gottesmutter bezeichnet werden. Im Zuge der letzten Innenrenovierung im Jahr 1980 war Peter Wagners geschnitzte Madonna aus dem Jahr 1798 in die Nische des südlichen Seiteneingangs versetzt worden. Dieser Eingang wurde nun wieder zugänglich gemacht und behindertengerecht umgebaut, und die Muttergottes fand im hinteren Bereich der Kirche bei den Votivgaben (links beim Haupteingang) einen würdigen Platz. Er lässt intime und persönliche Verehrung und Bitte zu.

Knapp 600.000 Euro hat die Innenrenovierung verschlungen, fast doppelt so viel wie veranschlagt. Im Zuge der Baumaßnahmen zeigte sich, dass die geplante Bankheizung nicht ausreicht. »Wir mussten eine völlig neue Heizungsanlage ausarbeiten und haben uns auf Vorschlag des Bischöflichen Bauamtes für eine Wandheizung entschieden«, erklärt Kirchenpfleger Alfons Konrad. 1007 laufende Meter Kupferrohre mussten dafür in sechs übereinander liegenden Leitungen in den Wänden der Kirche verlegt werden. Außerdem wurde ein separates Versorgungsgebäude für die Heiztechnik errichtet. Im Nebengebäude sind bisher fehlende WC-Anlagen integriert. Auf dem Dach unterstützt eine 55 Quadratmeter große Solaranlage die neue Ölheizung. P. Marcellus Jahnel, seit 2001 Prior und Wallfahrtskurat, empfindet die Innenrenovierung »sehr gelungen«. »Ich verliebe mich immer mehr in diese Kirche«, meint er und schätzt die architektonische Klarheit und die befreiende Helligkeit des Raumes und bewundernd fügt er hinzu: »Unsere Vorfahren haben vor mehr als 400 Jahren ihren Glauben staunenswert deutlich machen können.« Er verweist auf den uralten Gregoriusstein, der als Taufbecken am (rechten) Eingang der Kirche benutzt wurde.

Vom hinteren Teil der Kirche wandert der Blick auf die Darstellung des Gekreuzigten mit der Schmerzensmutter zu Füßen bis hin zum Altar, dem Tisch des Opfers und des österlichen Mahles. Er endet an Oswald Onghers Gemälde über dem Hochaltar, das die Himmelfahrt Mariens darstellt und damit die Zuversicht des ewigen Lebens veranschaulicht. Jetzt, nach der Renovierung, steht die Wallfahrtskirche am fränkischen Marienweg wieder als würdige Stätte Pilgern zu Gottesdiensten, Andachten und zum stillen Verweilen offen. »Christen und Nicht-Christen verspüren neu die Sehnsucht nach heiligen Räumen. Die Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 und den Amoklauf von Erfurt im April 2002 haben es gezeigt«, weiß P. Marcellus: Ein heiliger Raum und ein Zufluchtsort, das sei Fährbrück immer schon gewesen und werde es sicher auch bleiben.

Irene Konrad (POW)